04.07.2018

Neue Jupiter-ähnliche Exoplaneten entdeckt

Mithilfe einer neuen Methode haben Astrophysiker Planeten im Orbit um einen jungen Stern nachgewiesen, die sich bisher allen Blicken entzogen haben. Prof. Dr. Birnstiel, Forscher am Exzellenzcluster Universe war an der Entdeckung maßgeblich beteiligt.

Obwohl bereits fast 4000 Planeten außerhalb unseres Sonnensystems entdeckt wurden, ist ihr Entstehungsprozess ungeklärt. Bekannt ist, dass Planeten in den protoplanetaren Scheiben aus Gas und Staub entstehen, die junge Sterne umgeben, nachdem der Stern selbst entstanden ist. Allerdings konnten noch keine Planeten innerhalb dieser Scheiben direkt nachgewiesen werden – bis jetzt: Mit einer neuen Methode hat ein internationales Forscher-Team, an dem auch der LMU-Physiker Til Birnstiel und Wissenschaftler am Exzellenzcluster Universe beteiligt war, zwei neugeborene Planeten in der Scheibe des Sterns HD 163296 gefunden. Die neue Planetensuchtechnik identifiziert ungewöhnliche Muster im Gasfluss innerhalb einer planetenbildenden Scheibe, die junge Sterne umgibt. Parallel hat ein zweites internationales Team mit einer Variation der Methode dort einen weiteren Planeten entdeckt. Beide Studien wurden nun in den Astrophysical Journal Letters veröffentlicht.

„Im Gas und Staub protoplanetarer Scheiben wurden vor einigen Jahren Ringstrukturen entdeckt, die als mögliche Hinweise auf junge Planeten gelten“, sagt Birnstiel. „Allerdings war unklar, ob nicht auch andere Mechanismen für diese Ringe verantwortlich sein könnten.“ Mithilfe der hochauflösenden Bilder des Atacama Large Millimeter/Submillimeter Arrays (ALMA) der Europäischen Südsternwarte – einem internationalen Radioteleskop-Observatorium in den chilenischen Anden – haben die Wissenschaftler nun einen völlig neuen Ansatz verfolgt: Sie haben die Umlaufgeschwindigkeit und die Verteilung des Kohlenmonoxid-Gases in der Scheibe des Sterns HD 163296 untersucht, der rund vier Millionen Jahre alt ist und etwa 330 Lichtjahre von der Erde entfernt liegt.

Störungen im Gasfluss verraten Aufenthaltsort neuer Planeten

Kohlenmonoxid-Moleküle emittieren elektromagnetische Strahlung, die mithilfe des ALMA-Teleskops beobachtet werden kann. Subtile Änderungen der Wellenlängen dieser Strahlung (aufgrund des Doppler-Effekts) erlauben Rückschlüsse auf ihre Geschwindigkeit. Auf diese Weise konnten die Wissenschaftler die Rotationsgeschwindigkeit des Gases extrem genau messen und lokale Störungen durch mögliche Planeten ermitteln. „Die Messwerte zeigen, dass die Umlaufgeschwindigkeit des Gases genauso beeinflusst wird, wie es von Planeten erwartet wird, die etwa die Masse von Jupiter haben. Dies ist ein sehr guter Hinweis darauf, dass dort tatsächlich Planeten sind“, erklärt Birnstiel. „Mit dieser Methode können wir Planeten nachweisen, die sich bisher unserem Blick entzogen haben.“

 

Mehr zur Publikation:



Mehr zur Forschung von Til Birnstiel:
Astrophysik: Staub zu Staub

Kontakt:
Prof. Dr. Til Birnstiel
Ludwig-Maximilians-Universität München
Universitätssternwarte/Exzellenzcluster Universe
Telefon: +49 (0) 89 2180 6973
E-Mail: til.birnstiel@lmu.de

 

 

Die Abbildung zeigt die protoplanetare Scheibe des Sterns HD 163296. Bild: ESO, ALMA (ESO/NAOJ/NRAO); A. Isella; B. Saxton (NRAO/AUI/NSF)


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